Sonntag, 21. Oktober 2018

Hamburger Tierschutzverein fordert: Hände weg von Jungvögeln!

Hamburg (htv) - Der Frühling präsentiert sich mit seiner ganzen Kraft und Pracht. Überall blüht und raschelt es und in Parkanlagen, Wäldern und im eigenen Garten sind viele Vögel dabei, ihren Nachwuchs aufzuziehen. Allzu oft wird dieser irrtümlich als hilfebedürftig eingeschätzt. - Der Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V. (HTV) appelliert daher an alle Hamburgerinnen und Hamburger, vermeintlich hilflose Küken nicht voreilig mitzunehmen.
"Die Kleinen, die man scheinbar hilflos am Wegesrand sieht, sind zumeist nicht unversorgt", sagt Sandra Gulla, 1. Vorsitzende des HTV. Die Küken der Singvögel wie Amseln, Krähen und Elstern sind nach dem Schlüpfen zunächst noch nackte Nesthocker, bevor sie mit ausgebildetem Federkleid das Nest für ihre ersten Flugversuche in Bodennähe verlassen. Dabei lassen die Altvögel ihre Brut aber keinesfalls aus den Augen und versorgen sie auch weiterhin mit Futter. Die Küken von Wasservögeln wie Enten und Blässrallen halten es im Nest noch weniger aus und folgen ihren Eltern schon gleich nach dem Schlupf.
Der überwiegende Teil der gefundenen Jungtiere benötigt keine menschliche Hilfe, sondern ist in der Natur besser aufgehoben. Um herauszufinden, ob ein Küken verwaist ist, muss es mindestens zwei Stunden aus der Entfernung beobachtet werden. In der Regel füttern die Altvögel dort weiter, wo der Nachwuchs sich befindet. Nackte Jungvögel, die aus dem Nest gefallen sind, sollten dagegen möglichst zurückgesetzt werden. Schon befiederte Jungvögel, die noch nicht richtig fliegen können und am Straßenrand herumhüpfen, darf man zudem vorsichtig an einen sicheren Ort, wie ein abseits der Straße gelegenes Gebüsch, umsetzen. Dabei ist aber darauf zu achten, dass der Jungvogel in direkter Nähe zum Fundort bleibt.
"Vögel stören sich übrigens nicht am menschlichen Geruch", erklärt Gulla, "sodass die Jungtiere nach dem Umsetzen nicht, wie oft angenommen, von ihren Eltern verstoßen werden.“ Auch bei den Tag- und Nachtgreifvögeln ist der menschliche Geruch für die Elterntiere kein Problem. „Die Kinder von Falken, Eulen und Verwandten können auch noch 48 Stunden nach Inobhutnahme an den Fundort zurückgebracht werden", weiß die HTV-Vorsitzende und empfiehlt, vor dem Eingreifen fachkundigen Rat oder Unterstützung bei den Experten des HTV einzuholen. Der Hamburger Tierschutzverein ist unter seiner Notrufnummer 040 / 222277 rund um die Uhr zu erreichen.
Ist ein Jungvogel eindeutig nicht in der Lage, allein zu überleben, ist rasche Hilfe natürlich notwendig und richtig. Allerdings sollten sich keinesfalls Laien daran versuchen, ein Küken aufzupäppeln oder ein offensichtlich krankes oder verletztes Tier zu pflegen. In der Wildtierstation im Tierheim Süderstraße kümmern sich die Tierpfleger des Hamburger Tierschutzvereins rund um die Uhr um verletzte und verwaiste Wildtiere, die dort professionell aufgezogen, versorgt und später wieder ausgewildert werden.
Aktuell werden in der Wildtierstation des Hamburger Tierschutzvereins 13 Tauben, 6 Krähen, 4 Eichelhäher, 1 Elster, 8 Drosseln und insgesamt 17 weitere Singvögel auf ihre baldige Auswilderung vorbereitet und somit auf Vereinskosten in Pflegestellen versorgt (Stand: 18. Mai 2018). Für diese Arbeit erhält der Verein kein Geld aus öffentlicher Hand, er ist daher dringend auf Spenden angewiesen. Spendenkonto bei der Hamburger Sparkasse IBAN: DE93 2005 0550 1111 2161 96 BIC: HASPDEHHXXX
Foto: Blässrallenküken verlassen das Nest nach dem Schlupf. © Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V. (abgekürzt: HTV)

(aktuell bis 24.06.2018 - 2478 x aufgerufen)

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