Dienstag, 24. April 2018

Offener Brief an Umweltsenator Jens Kerstan zum "Natur-Cent"

Verein zum Erhalt der Hummelsbütteler Feldmark

Sehr geehrter Herr Umweltsenator,

als wir aus der Presse von dem Ergebnis Ihres Aufbegehrens gegenüber den Bebauungsplänen von Frau Stapelfeldt und Herrn Scholz, dem "Natur-Cent" gehört haben, waren wir sehr erschrocken. Dieser soll allen Ernstes die anstehenden Verluste an bedeutenden Landschaftsschutzgebieten kompensieren? Sieht so die grüne Politik der Gegenwart in Hamburg aus? Ist das die Vorstellung der Grünen von nachhaltiger und vorausschauender Politik? Mit Macht und im Handstreich versucht die SPD Wohnungsbau auf Tabuflächen zu betreiben, um Fakten zu schaffen. Nicht einmal vor den stadtbelüftenden und kühlenden Klimaachsen, die ganz Hamburg und nicht nur die Randbereiche mit frischer Luft versorgen wird Halt gemacht. Diese wurden in den 1930er-Jahren von dem großen Stadtplaner Fritz Schumacher entwickelt und sind seitdem immer ein wesentlicher Teil der Stadtentwicklung gewesen und wurden aus gutem Grund als "unantastbar" angesehen. Wir sehen es als höchstbedenklich an, dass die Ressourcen dieser Stadt gegen eine Einmalzahlung, ohne Konzept, ohne Strategie und ohne Weitsicht unwiederbringlich verscherbelt und zerstört werden! Dies ist ein Kuhhandel für den Senatsfrieden und keine nachhaltige Umweltpolitik!

Herr Kerstan, Sie können das verhindern.

Es ist zwar sicherlich aufwendiger, fortschrittliche Konzepte der Wohnraumschaffung zu entwickeln, sich Anregungen aus Städten zu holen, die vormachen wie es besser geht, aber es ist das was die gute Luft dieser Stadt in Zeiten des Klimawandels auch zukünftig sichert.

Bevor alle Alternativen geprüft sind und ein Masterplan erstellt ist, wie die wachsende Stadt gemeistert wird, werden anscheinend lieber die Konzepte der Vergangenheit aus der Schublade geholt? Möglichst billig und Investorenfreundlich auf der grünen Wiese bauen! Wann wird darüber nachgedacht, wie es anders geht? Erst wenn die letzten Kulturlandschaften Hamburgs endgültig zerstört sind? Erst wenn die Innenstadt unerträglich heiß ist? Erst wenn auch Umweltzonen keine Wirkung mehr haben? Erst wenn es zu spät ist?

Herr Senator, die Politik hat uns in den vergangenen Jahren Versprechen gemacht. Uns wurde ein modernes, zeitgemäßes Regieren versprochen, ein lebenswertes Hamburg. Und immer wieder wurde betont, wie wichtig die Landschafts- und Klimaachsen für die lebenswerte Zukunft der Stadt sind. Nun scheinen alle diese Versprechen vergessen zu sein und die Bebauung wird von Seiten der Grünen einfach wortlos hingenommen.

Wir wollen Sie hiermit an die gemachten Aussagen erinnern:

Im Koalitionsvertrag, unterschrieben im April 2015, heißt es auf Seite 64: "[...] Landschaftsachsen und grüne Ringe [...] sind keine Wohnungsbauflächen und sollen erhalten [...]bleiben..."

Im Klimaplan des Hamburger Senats vom 8.12.2015 Drucksache 21/2521 heißt es: "Für die Anpassung Hamburgs an den Klimawandel ist es daher wichtig, diese Grün- und Freiflächen zu sichern, gegebenenfalls zu entsiegeln und zu begrünen[...]. Zudem sollten kühlende Frisch-/Kaltluftbahnen, wie insbesondere die Landschaftsachsen von Bebauung freigehalten werden."

Im Klimawandelszenario, 2012 in Auftrag gegeben von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt heißt es auf Seite 41: "Im Rahmen der Klimaanalyse wurden insgesamt 21 Leitbahnen ausgewiesen. Als besonders bedeutsam sind die folgenden zu nennen, wobei diese meist auch Bestandteil einer Landschaftsachse sind: z.B. die Hummelsbüttler Achse." Gerade diese soll jetzt für Bebauung freigegeben werden!

In der Broschüre "Grüne Vielfalt-Qualität der Stadt" 2012, ebenfalls herausgegeben von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, können sie ab der Seite 12 von der Wichtigkeit der Landschaftsachsen mit ihrer "klimatischen und lufthygienischen Funktion sowie dem Zweck, der Stadtbevölkerung in den verdichteten Stadtgebieten Erholungsmöglichkeiten in den großen Grünflächen anzubieten." Wieder ist hier die Hummelsbütteler Feldmark hervorgehoben worden.

Herr Senator, der Nabu, der BUND und die Arbeitsgemeinschaft Naturschutz haben dieses Wissen nicht vergessen und halten Ihr Vorgehen für katastrophal. Führende Stadtplaner und die Architektenkammer wissen, dass es anders und besser geht!

Und was ist mit Ihnen? Besinnen Sie sich auf Ihre grünen Wurzeln, seien Sie der erste im Senat, der über den Tellerrand der Stadtentwicklung weiter in die Zukunft schaut als zehn Jahre und verhindern Sie die weitreichenden Fehler die die Hamburger Politik im Begriff ist zu tun!

Tun Sie dies für die Menschen, die Sie gewählt haben, für alle Hamburger und zukünftige Generationen und seien Sie nicht Teil derjenigen, die diese unwiederbringliche Umweltzerstörung mit beschlossen haben. Handeln Sie vorausschauend!

Weitere Informationen: www.feldmark.info

(aktuell bis 10.06.2016 - 2491 x aufgerufen)

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